AIMANTE
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Shabby Null Chic

Jeder kennt diese Phasen: Das Zimmer gefällt irgendwie nicht mehr und ein bisschen umstellen reicht schlicht weg nicht. Also macht man sich auf die Suche nach neuen Möbeln und endet, wenn man kein Vielverdiener ist, bei Ikea, ebay Kleinanzeigen, Ricardo oder günstigen Online Shops.

Auch ich surfte in solchen Phasen tagelang durchs Internet um neue Möbel zu finden und landete immer wieder bei so genannten „Shabby Chic“-Möbeln. Einem Einrichtungsstil, bei dem Möbel auf „alt“ gemacht werden. Meistens sind sie in matten Weiß- oder Pastelltönen bemalt und bestechen durch abgeschliffene Ecken und Kanten . Viele würden jetzt denken, solche Möbel sind ein Schnäppchen – aber weit gefehlt. Die Preise schwanken zwischen „Geht noch“ und „WTF? Welche Drogen hast du gefuttert um auf diesen Preis zu kommen?“ und deshalb bin ich diesem Trend nachgegangen.

Immer wieder fragte ich mich, was diese Preise rechtfertigt. Diese unglaublichen Preise bei Möbelstücken, die aussehen, als hätten sie Jahrzehnte im Keller gegammelt und würden nur darauf warten, auf dem Sperrmüll zu landen.

Ich surfte also durch die Weiten des Internets und fand dutzende „Shabby Chic“-Gruppen in denen meistens gelangweilte Hausfrauen ihre tollen „Shabby-Umwandlungen“ präsentieren. Ob ganzes Küchenbuffet oder nur Kleiderbügel – jedes Möbelstück wird bemalt, abgeschliffen und stolz präsentiert, als wäre es das größte Talent, ein Möbelstück zu bemalen.

Man möge jetzt denken: „Sölle sie halt, wenns ihne gfallt!“ – aber ich kann diesen Dreck nicht mehr sehen. Klar, gibt es schöne Umsetzungen, aber alte Flohmarktmöbel anzumalen und dann für mehrere hundert Franken zu verkaufen ist einfach nur hässlich. Genau so hässlich wie meistens die Umsetzung – denn Alt erzählt Geschichte, Farbschichten nicht.

Und so klicke ich mich durch Anzeigen von Möbeln, die vor der weißen Bemalung kostenlos auf dem Sperrmüll standen und jetzt für drölftausendfranken angeboten werden und hoffe, dass irgendwann „alt“ in ist, und nicht „alt“ neu gemacht wie „alt“. Eifach wills dumm isch.

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